#6 Future Talk
- Birgit Streibel

- vor 5 Stunden
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#6 Future Talk
Birgit Streibel-Lobner
Mein Gast ist diesmal Anna Kofler (AI MOM) und wir sprechen über KI, digitale Mitarbeitende und die Zukunft der Soft Skills.
Anna Kofler (AI MOM) ist eine erfolgreiche AI-Expertin und Mitgründerin von thynkAI. Sie zeigt Unternehmen und Menschen, wie Künstliche Intelligenz praxisnah eingesetzt werden kann und ist Headhunter für digitale Mitarbeiter. www.thynkai.at
Während Anna Kolfer zeigt, welche Chancen Künstliche Intelligenz für Unternehmen eröffnet, beschäftige ich mich mit der Frage, was Führungskräfte und Wirtschaftstreibende in dieser neuen Arbeitswelt ausmacht.
Birgit Streibel-Lobner: Anna, du kommst ursprünglich aus dem Marketing und hast sehr früh mit KI gearbeitet. Wie hat deine Reise begonnen?
Anna Kofler: Ich habe schon sehr jung mein erstes Startup im Travel-Tech-Bereich gegründet. Damals ist zwar vieles schiefgelaufen, aber wir haben enorm viel gelernt und ein starkes Netzwerk aufgebaut. Im Anschluss habe ich eine Marketingagentur gegründet und mich früh mit KI beschäftigt, um einen Wettbewerbsvorteil zu haben. Schon vor dem großen Hype haben wir mit Tools gearbeitet und sind so Schritt für Schritt tiefer in die KI-Thematik eingetaucht.
Birgit Streibel-Lobner: Viele Menschen setzen sich bereits intensiv mit dem Thema KI auseinander, während andere noch zurückhaltend sind. Ist diese Zurückhaltung aus deiner Sicht berechtigt?
Anna Kofler: Die Gefahr besteht dann, wenn man sich bewusst verweigert. Wer sagt „Ich warte noch, bis sich alles weiterentwickelt“, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. KI verändert sich ständig – wenn man immer wartet, beginnt man nie. Wichtig ist nicht Perfektion, sondern ein grundlegendes Verständnis und die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen.
Birgit Streibel-Lobner: Nun wissen viele, dass sie sich mit KI beschäftigen sollten, trauen sich jedoch nicht, den ersten Schritt zu gehen. Welche Maßnahmen würdest du hier konkret empfehlen?
Anna Kofler: Der wichtigste Schritt ist tatsächlich, sich einfach einmal „drüber zu trauen“. Gerade bei KI ist es entscheidend, wirklich hands-on damit zu arbeiten. Das heißt: sich einen Account anlegen, Tools ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln. Es ist ein großer Unterschied, ob ich einen Vortrag höre oder ob ich selbst aktiv damit arbeite. Um KI wirklich zu verstehen, muss man sie im Alltag nutzen und ausprobieren. Nur so bekommt man ein Gefühl dafür, was möglich ist.
Birgit Streibel-Lobner: Du sprichst oft von „digitalen Mitarbeitenden“. Was kann man sich darunter konkret vorstellen?
Anna Kofler: Digitale Mitarbeitende funktionieren ähnlich wie echte Teammitglieder. Sie haben ein bestimmtes Fachgebiet – zum Beispiel Social Media oder Marketing – und bringen bereits Wissen mit. Man kann sie „einschulen“, also an das eigene Unternehmen anpassen. Sie lernen durch Interaktion und sind danach sofort einsatzfähig. Im Hintergrund arbeitet KI, aber für den Nutzer fühlt es sich an wie die Zusammenarbeit mit einer realen Person.
Birgit Streibel-Lobner: Das klingt nach einem großen Vorteil.
Anna Kofler: Absolut. Unternehmen können hybride Strukturen aufbauen, in denen menschliche und digitale Mitarbeitende zusammenarbeiten. KI übernimmt repetitive Aufgaben und entlastet Teams, sodass sich Menschen auf komplexere und wertschöpfendere Tätigkeiten konzentrieren können.
Birgit Streibel-Lobner: Gleichzeitig betonst du auch die Bedeutung des Menschen, mit all seinen Fähigkeiten. Warum ist das gerade jetzt so wichtig?
Anna Kofler: KI darf uns das Denken nicht abnehmen. Ideen, Kreativität und Reflexion müssen vom Menschen kommen. Wenn wir diese Fähigkeiten nicht trainieren, verlieren wir sie langfristig. Unser Gehirn entwickelt sich durch Nutzung – das gilt auch für unsere Denkfähigkeit.
Birgit Streibel-Lobner: Oft wird befürchtet, dass KI-Arbeitsplätze ersetzt. Hast du ein konkretes Beispiel, wie Unternehmen damit umgehen können?
Anna Kofler: Ein sehr spannendes Beispiel ist IKEA. Man hätte sagen können: „Wir brauchen diese Mitarbeitenden nicht mehr.“ Stattdessen hat IKEA rund 8.500 Mitarbeitende weiterentwickelt und zu Einrichtungsberater:innen ausgebildet. Das bedeutet: Die Jobs sind nicht verschwunden – sie haben sich verändert. Die Mitarbeitenden übernehmen heute höherwertige, beratende Tätigkeiten.
Birgit Streibel-Lobner: Das heißt, KI ersetzt nicht unbedingt Menschen, sondern verändert ihre Rolle?
Anna Kofler: Genau. Das ist ein entscheidender Punkt. Es gibt natürlich auch Unternehmen, die sagen: „Wenn KI das übernimmt, brauchen wir weniger Leute.“ Aber das ist ein sehr kurzfristiger und auch bedenklicher Ansatz.
Birgit Streibel-Lobner: Warum bedenklich?
Anna Kofler: Wenn ich zum Beispiel keine Junior-Mitarbeitenden mehr einstelle, weil KI viele Einstiegsaufgaben übernehmen kann – wer sind dann in 10 oder 20 Jahren meine Senior-Expert:innen? Wissen und Erfahrung entstehen ja nicht von heute auf morgen. Wir brauchen weiterhin Menschen, die sich entwickeln und weitergeben können.
Birgit Streibel-Lobner: Das heißt, Ausbildung und Weitergabe von Wissen bleiben zentral?
Anna Kofler: Absolut. Unternehmen müssen ihr Humankapital aktiv entwickeln. Fachwissen, Erfahrung und auch Vorbilder entstehen nur durch Zusammenarbeit und Entwicklung über Zeit.
Birgit Streibel-Lobner: Und gleichzeitig verändern sich die Aufgaben?
Anna Kofler: Ja, definitiv. Repetitive Tätigkeiten werden zunehmend von KI übernommen. Dafür verschieben sich die Rollen der Mitarbeitenden hin zu komplexeren, kreativeren und strategischeren Aufgaben.
Birgit Streibel-Lobner: Was bedeutet das konkret für Mitarbeitende?
Anna Kofler: In Zukunft wird vermutlich jede Person mit einer Art „KI-Team“ arbeiten. Das heißt, man muss lernen, diese digitalen Tools zu steuern, zu hinterfragen und sinnvoll einzusetzen. Diese Fähigkeit wird genauso wichtig wie fachliches Know-how.
Birgit Streibel-Lobner: Welche Kompetenzen gewinnen deiner Meinung nach in Zukunft an Bedeutung?
Anna Kofler: Ganz klar: Soft Skills. Empathie, Kommunikation, Konfliktfähigkeit – all das kann KI nicht ersetzen. Gerade weil KI oft sehr zustimmend reagiert, fehlt uns sonst die Auseinandersetzung, die wir für unsere persönliche Entwicklung brauchen. Diese zwischenmenschlichen Fähigkeiten werden entscheidend sein.
Birgit Streibel-Lobner: Du nennst dich liebevoll AI Mom.Was bedeutet dies konkret?
Anna Kolfer: Ein Herzensprojekt von mir ist, Eltern in ihrer Erzieherrolle in Bezug auf KI gut vorzubereiten. Die KI muss den Kindern behutsam beigebracht werden. Da stehen Eltern in großer Verantwortung.
Birgit Streibel-Lobner: Vielen Dank für die umfassenden Insights.
Dein Fazit?
Anna Kofler: Die Zukunft gehört der Kombination aus Technologie und Mensch. Wer bereit ist, sich mit KI auseinanderzusetzen und gleichzeitig seine menschlichen Stärken weiterentwickelt, ist am Puls der Zeit.
Birgit Streibel-Lobner: Das gibt Zuversicht. Somit verbinden unsere unterschiedlichen Tätigkeiten zwei entscheidende Perspektiven der Zukunft:KI-Kompetenz gepaart mit Führungsstärke und Menschlichkeit.Vielen Dank für das Gespräch, Anna.
Anna Kofler, AI-Expertin und Mitgründerin von thynkAI www.thynkai.at

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Birgit Streibel-Lobner Inhaberin Streibel-ConsultingUnternehmens- und Dipl. Imageberaterin www.streibel-consulting.at

